Kurz gesagt
- Einen festen steuerfreien Betrag für Nebenverdienste gibt es nicht. Als Arbeitnehmer bleiben Nebeneinkünfte bis 410 € im Jahr steuerfrei, ohne anderes Einkommen ist 2026 alles bis zum Grundfreibetrag von 12.348 € steuerfrei.
- Die 256-€-Freigrenze gilt nur für gelegentliche Leistungen. Wer regelmäßig für Shops Pakete packt, ist in aller Regel gewerblich tätig.
- Umsatzsteuer ist eine eigene Frage: Als Kleinunternehmer (Vorjahr bis 25.000 €, laufendes Jahr bis 100.000 €) weist du keine Umsatzsteuer aus.
- Ein Minijob ist das nicht: Du hast keinen Arbeitgeber, die 603-€-Grenze spielt hier keine Rolle.
- Was du über AirPost verdienst, steht in deiner Jahresübersicht, pro Quartal. Bei 25 Paketen pro Woche sind das netto rund 1.746 € im Jahr.
- AirPost ist ein Peer-to-Peer-Fulfillment-Netzwerk: Onlineshops lassen ihre Bestellungen von verifizierten Menschen in der Nähe ihrer Kunden verpacken und zum Paketshop bringen, die dafür von zu Hause aus pro Paket bezahlt werden. Kein Lager, keine Mindestbestellmenge.
Allgemeine Information, keine Steuerberatung
Steuerregeln ändern sich und hängen von deiner Lage ab. Frag im Zweifel dein Finanzamt oder eine Steuerberatung, bevor du dich auf diesen Artikel verlässt.
Die Frage lautet fast immer: "Wie viel darf ich steuerfrei dazuverdienen?" Die ehrliche Antwort beginnt mit einer Korrektur. Es gibt nicht die eine Grenze, sondern vier Zahlen, die für unterschiedliche Menschen gelten.
Welche davon für dich zählt, hängt von zwei Fragen ab: Hast du schon einen Job mit Lohnsteuer? Und machst du das gelegentlich oder regelmäßig? Dieser Artikel geht die Zahlen der Reihe nach durch, mit Rechenbeispielen aus dem Paketversand.
Welche Grenzen gelten 2026?
| Zahl | Was sie bedeutet | Für wen |
|---|---|---|
| 12.348 € Grundfreibetrag | Bis zu diesem zu versteuernden Einkommen fällt 2026 keine Einkommensteuer an | Alle, bezogen auf das gesamte Einkommen im Jahr |
| 410 € Härteausgleich | Nebeneinkünfte ohne Lohnsteuerabzug bis 410 € im Jahr bleiben steuerfrei, zwischen 410 und 820 € teilweise | Alle mit Lohnsteuerabzug, also vor allem Arbeitnehmer |
| 256 € Freigrenze | Einkünfte aus gelegentlichen Leistungen unter 256 € im Jahr sind steuerfrei, darüber voll steuerpflichtig | Nur einmalige oder gelegentliche Leistungen, kein Gewerbe |
| 25.000 € / 100.000 € Kleinunternehmer | Umsatzgrenzen für die Umsatzsteuerbefreiung (Vorjahr / laufendes Jahr) | Selbständige und Gewerbetreibende |
Du hast einen Job: der Härteausgleich bis 410 €
Für die meisten, die nebenbei Pakete packen, ist das die wichtigste Zahl. Hast du einen Job mit Lohnsteuer, bleiben Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug bis 410 € im Jahr steuerfrei. Das regelt § 46 Abs. 3 EStG.
Liegen deine Nebeneinkünfte über 410 €, musst du eine Steuererklärung abgeben (§ 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG). Bis 820 € wird ein Teil davon noch abgezogen, der Härteausgleich nach § 70 EStDV. Darüber zahlst du auf jeden Euro Gewinn deinen persönlichen Steuersatz.
Wichtig: Gemeint sind Einkünfte, also Einnahmen minus Kosten. Druckerpapier, Toner und die Fahrt zur DHL-Filiale oder Packstation mindern den Betrag, der gegen die 410 € zählt.
Du hast kein anderes Einkommen: der Grundfreibetrag
Studierst du ohne Job, bist du in Elternzeit oder hast du sonst kein steuerpflichtiges Einkommen, zählt der Grundfreibetrag. 2026 liegt er bei 12.348 € zu versteuerndem Einkommen im Jahr. Bis dahin zahlst du keine Einkommensteuer.
Das ist keine Befreiung für Nebenverdienste, sondern die erste Stufe des Steuertarifs. Sie gilt für dein gesamtes Einkommen. Hast du schon einen Job, ist sie mit deinem Lohn meist aufgebraucht, und dann greift nur noch der Härteausgleich.
Bürgergeld, BAföG, Familienversicherung
Steuerfrei heißt nicht anrechnungsfrei. Für Bürgergeld, BAföG oder Familienversicherung gelten eigene Grenzen. Melde Einnahmen vorab beim Jobcenter oder beim BAföG-Amt, auch wenn keine Steuer anfällt.
Gilt die 256-€-Freigrenze für Pakete packen?
Meistens nicht. § 22 Nr. 3 EStG erfasst Einkünfte aus gelegentlichen Leistungen, etwa wenn du einmal einem Nachbarn beim Umzug hilfst. Solche Einkünfte sind steuerfrei, wenn sie unter 256 € im Jahr bleiben. Ab 256 € ist der ganze Betrag steuerpflichtig, nicht nur der Teil darüber.
Packst du jede Woche Bestellungen für einen Shop, ist das keine gelegentliche Leistung. Nach § 15 Abs. 2 EStG ist eine selbständige, nachhaltige Tätigkeit mit Gewinnabsicht, die sich an den Markt richtet, ein Gewerbebetrieb. Dafür gilt die 256-€-Grenze nicht, wohl aber der Härteausgleich und der Grundfreibetrag.
Musst du ein Gewerbe anmelden?
Wer ein Gewerbe beginnt, muss es nach § 14 GewO beim Gewerbeamt seiner Gemeinde anzeigen. Eine Mindesthöhe gibt es dafür nicht. Ob deine Tätigkeit ein Gewerbe ist, hängt vom Umfang und der Regelmäßigkeit ab; im Zweifel fragst du beim Gewerbeamt nach.
Die Anmeldung kostet je nach Gemeinde eine Gebühr. Danach meldet sich das Finanzamt, und du füllst über ELSTER den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus. Dort gibst du auch an, ob du die Kleinunternehmerregelung nutzt.
Gewerbesteuer ist bei diesen Beträgen kein Thema: Für Einzelpersonen gibt es einen Freibetrag von 24.500 € Gewerbeertrag im Jahr (§ 11 GewStG).
Und die Umsatzsteuer?
Umsatzsteuer ist eine eigene Frage neben der Einkommensteuer. Als Kleinunternehmer nach § 19 UStG weist du keine Umsatzsteuer aus, wenn dein Umsatz im Vorjahr höchstens 25.000 € betrug und im laufenden Jahr 100.000 € nicht übersteigt. Diese Grenzen gelten seit 2025.
Mit den Beträgen aus der Tabelle unten bleibst du weit darunter. Kommen andere selbständige Tätigkeiten dazu, zählt der Gesamtumsatz aller Tätigkeiten.
Ist das ein Minijob?
Nein. Ein Minijob ist eine abhängige Beschäftigung mit einem Arbeitgeber; die Verdienstgrenze liegt 2026 bei 603 € im Monat. Über AirPost arbeitest du selbständig: Du legst deinen Tarif fest, entscheidest, welche Bestellungen du annimmst, und niemand meldet dich bei der Minijob-Zentrale an.
Einen Minijob, den du schon hast, berührt das nicht. Für deine Einkünfte aus dem Pakete packen gelten die Regeln oben: Härteausgleich, wenn du Lohnsteuer zahlst, sonst der Grundfreibetrag.
So funktioniert das mit AirPost
Konto anlegen und Tarif festlegen
Du brauchst nur deine E-Mail-Adresse. Danach legst du pro Größe deinen Tarif fest; als Richtwert gelten 1,50 € für ein Briefkastenpaket und 2,25 € für ein kleines Paket.
Ein Shop schickt dir Bestand
Produkte und Verpackungsmaterial kommen zu dir nach Hause. Der Bestand bleibt Eigentum des Shops.
Packen und abgeben
Bei einer Bestellung siehst du Adresse und Größe auf dem Handy. Ein Tipp kauft das Label, das der Shop bezahlt, und du bringst das Paket zu DHL, DPD, GLS oder UPS auf deinem Weg.
Saldo und Auszahlung
Dein Saldo wächst, sobald ein Paket abgegeben ist. Eine Vergütung ist 3 Tage nach dem ersten Scan abhebbar, und du zahlst dich ab 10,00 € selbst aus, wann du willst. Zahlungen laufen über Stripe.
Jahresübersicht für die Steuer
In der App steht deine Jahresübersicht: Vergütung, Sendungen und einbehaltene Provision pro Quartal. Die trägst du in deine Steuererklärung ein.
Bei der Auszahlung behalten wir 3 % Provision ein; das ist das Einzige, was wir berechnen. Der Betrag auf deinem Konto ist also schon um die Provision gekürzt. Zähl sie nicht noch einmal als Kosten, wenn sie in der Jahresübersicht schon abgezogen ist.
Plattformbetreiber in der EU melden Vergütungen für persönliche Dienstleistungen nach dem Plattformen-Steuertransparenzgesetz an die Steuerverwaltung. Die Ausnahme für weniger als 30 Verkäufe und 2.000 € gilt nur für den Verkauf von Waren. Geh also davon aus, dass dein Finanzamt die Beträge kennt.
Was heißt das in Euro?
| Pro Woche | Netto pro Monat | Netto pro Jahr | Mit Job daneben |
|---|---|---|---|
| 5 Pakete | 29 € | 349 € | Bis 410 €: als Arbeitnehmer bleibt das steuerfrei |
| 10 Pakete | 58 € | 698 € | 410 bis 820 €: Steuererklärung Pflicht, Härteausgleich mildert |
| 25 Pakete | 146 € | 1.746 € | Über 820 €: voll steuerpflichtig, Kosten mindern den Gewinn |
| 50 Pakete | 291 € | 3.492 € | Über 820 €: voll steuerpflichtig, Kosten mindern den Gewinn |
| 100 Pakete | 582 € | 6.984 € | Über 820 €: voll steuerpflichtig, Kosten mindern den Gewinn |
Ohne anderes Einkommen bleibst du in allen Zeilen unter dem Grundfreibetrag. Mit einem Job daneben entscheidet die rechte Spalte, und deine Kosten verschieben sie noch nach unten.
Das Label zahlt übrigens der Shop, nicht du: Am 26. September 2026 kostete ein 2-kg-Paket innerhalb Deutschlands in unserer Messung 4,70 € ohne AirPost-Gebühr. Welche Länder und Versanddienste es gibt, steht auf der Länderseite.
Was du konkret tust
- Klär, ob du einen Job mit Lohnsteuer hast. Dann zählt der Härteausgleich, sonst der Grundfreibetrag.
- Melde ein Gewerbe an, wenn du regelmäßig packst. Beim Gewerbeamt deiner Gemeinde, danach den Fragebogen in ELSTER ausfüllen.
- Kreuz die Kleinunternehmerregelung an, solange du unter den Umsatzgrenzen bleibst.
- Heb Belege auf. Papier, Toner, Klebeband, das du selbst kaufst, und Fahrten, die du nur für die Abgabe machst.
- Übernimm die Jahresübersicht in die Anlage G zu deiner Steuererklärung, mit einer einfachen Einnahmen-Überschuss-Rechnung.
- Melde Einnahmen vorab, wenn du Bürgergeld oder BAföG beziehst.
Mehr zu Verdienst, Zeitaufwand und Voraussetzungen steht auf der Seite Von zu Hause Geld verdienen.
Häufige Fragen
Wie viel darf man steuerfrei nebenbei verdienen?
Einen festen Betrag gibt es nicht. Mit einem Job mit Lohnsteuer bleiben Nebeneinkünfte bis 410 € im Jahr steuerfrei, bis 820 € teilweise. Ohne anderes Einkommen ist 2026 alles bis zum Grundfreibetrag von 12.348 € steuerfrei.
Gilt für Pakete packen die 256-€-Grenze?
In der Regel nicht. Sie gilt nur für gelegentliche Leistungen. Wer regelmäßig für Shops packt, ist gewerblich tätig; dann gelten Härteausgleich und Grundfreibetrag.
Muss ich ein Gewerbe anmelden?
Wenn du selbständig, regelmäßig und mit Gewinnabsicht arbeitest, ja: beim Gewerbeamt deiner Gemeinde. Eine Mindesthöhe gibt es nicht. Im Zweifel fragst du dort nach.
Muss ich Umsatzsteuer zahlen?
Nicht als Kleinunternehmer: Umsatz im Vorjahr bis 25.000 € und im laufenden Jahr bis 100.000 €. Dann weist du keine Umsatzsteuer aus.
Bekomme ich von AirPost eine Übersicht für die Steuer?
Ja. In der App steht eine Jahresübersicht mit Vergütung, Sendungen und einbehaltener Provision pro Quartal. Die 3 % Provision sind darin schon abgezogen.
Quellen
- Bundesfinanzministerium — Die wichtigsten steuerlichen Änderungen 2026 (Grundfreibetrag 12.348 €)
- § 32a EStG — Einkommensteuertarif
- § 22 Nr. 3 EStG — Freigrenze 256 €
- § 46 EStG — Veranlagung bei Arbeitnehmern, Härteausgleich 410 €
- § 70 EStDV — Ausgleich von Härten (410 € / 820 €)
- § 15 EStG — Einkünfte aus Gewerbebetrieb
- § 14 GewO — Anzeigepflicht
- § 11 GewStG — Freibetrag 24.500 €
- § 19 UStG — Kleinunternehmer
- § 4 PStTG — Freigestellter Anbieter
- Minijob-Zentrale — Minijob mit Verdienstgrenze (603 € in 2026)
Die Frage ist nicht, wie viel steuerfrei bleibt. Sie ist, welche Grenze für dich gilt, und wem du es sonst noch sagen musst.
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