Kurz gesagt
- Wenn du selbstgenähte Kleidung als reguläre Kleinserie verkaufst, prüfe die Faserkennzeichnung am Produkt und die Zusammensetzung im Onlineshop vor dem Kauf. Bei mehreren Textilkomponenten gilt die Ausnahme unter 30 Gewichtsprozent nur für Komponenten, die kein Hauptfutter sind; eine gefütterte Jacke braucht deshalb mehr Prüfung als ein ungefüttertes Oberteil.
- Handarbeit ist keine allgemeine Befreiung. Die Verordnung nennt eine besondere Ausnahme für maßgeschneiderte Textilerzeugnisse selbständiger Schneider.
- Baumwolle, Viskose oder Elasthan sind Faserangaben; Jersey, Satin und eine Lieferantenmarke beschreiben nicht automatisch die Faserzusammensetzung.
- Ein Lederdetail kann den vorgeschriebenen Hinweis auf nichttextile Teile tierischen Ursprungs auslösen. Prüfe auch kleine Besätze und Knöpfe.
- AirPost ist ein Peer-to-Peer-Fulfillment-Netzwerk: Onlineshops lassen ihre Bestellungen von verifizierten Menschen in der Nähe ihrer Kunden verpacken und zum Paketshop bringen, die dafür von zu Hause aus pro Paket bezahlt werden. Kein Lager, keine Mindestbestellmenge.
Du nähst ein Oberteil in mehreren Größen, fotografierst die Farben und stellst die ersten Stücke in deinen Shop. Auf dem Stoffetikett steht ein attraktiver Handelsname, auf deinem eigenen Anhänger nur dein Logo. Für den Verkauf fehlt damit möglicherweise genau die Information, die ein Kunde zum Material braucht. Bearbeite die Faserangabe als Teil des fertigen Schnitts: nicht erst beim Versand, sondern bevor die erste Variante online bestellbar wird.
Darf ich selbstgenähte Kleidung ohne Textiletikett verkaufen?
Die EU-Textilkennzeichnungsverordnung 1007/2011 regelt die Faserzusammensetzung von Textilerzeugnissen. Artikel 2 Absatz 4 nimmt maßgeschneiderte Erzeugnisse selbständiger Schneider aus. Daraus folgt keine pauschale Ausnahme für jeden Handmade-Shop. Trenne eine nach individuellen Maßen gefertigte Arbeit von einer regulären Kollektion, die du nach Bestellung in einer angebotenen Standardgröße nähst.
Das ist besonders wichtig, wenn auf deiner Website alles unter Einzelanfertigung läuft. Ein Marketingwort entscheidet nicht allein über die tatsächliche Herstellung. Beschreibe für dich, was der Kunde auswählt und was du individuell anpasst. Eine freie Stofffarbe aus einem festen Sortiment beantwortet eine andere Frage als die komplette Anpassung eines Schnitts an persönliche Körpermaße. Kläre Zweifelsfälle, bevor du eine Ausnahme auf alle Aufträge anwendest.
Dieser Artikel behandelt die Materialkennzeichnung regulärer Kleidung. Er erledigt nicht mit einem Etikett alle weiteren Pflichten deines Shops. Für deine Arbeitsorganisation ist die Trennung hilfreich: Die Produktakte enthält Material und Varianten, während du allgemeine Shopinformationen separat pflegst. So musst du eine neue Futterqualität tatsächlich am Produkt bearbeiten, ohne dafür unverbundene Versandtexte aus einem anderen Shop kopieren zu müssen.
Welche Faserbezeichnungen darf ich auf das Etikett schreiben?
Artikel 5 verweist auf die zugelassenen Faserbezeichnungen in Anhang I. Artikel 9 verlangt bei Fasergemischen grundsätzlich die Namen und Gewichtsanteile in absteigender Reihenfolge. Nutze die Zusammensetzungsangabe deines tatsächlichen Stoffes als Ausgangspunkt und prüfe die passende Bezeichnung. Eine Kollektionsbezeichnung oder der Begriff Stretchstoff ersetzt keine konkrete Angabe darüber, aus welchen Fasern das Material besteht.
| Angabe auf dem Einkaufsbeleg | Frage für das fertige Stück | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Jersey oder Sweat | Welche Fasern und Anteile enthält dieser konkrete Stoff? | Die dokumentierte Zusammensetzung beschaffen. |
| 95% Baumwolle, 5% Elasthan | Ist dies der verwendete Hauptstoff und stimmt die Lieferreferenz? | Belegte Angaben der richtigen Produktvariante zuordnen. |
| Hauptstoff und anderes Futter | Welche Komponenten sind kennzeichnungspflichtig? | Fasergehalte getrennt prüfen und benennen. |
| Lederpatch oder Hornknopf | Sind nichttextile tierische Teile vorhanden? | Den Hinweis nach Artikel 12 prüfen. |
Bewahre den Liefernachweis nicht nur unter dem Farbnamen auf. Zwei Stoffe können beide dunkelblau heißen und trotzdem eine andere Zusammensetzung haben. Eine Lieferreferenz oder Rollenkennung hilft, die richtige Information zu finden. Wenn dir bei einem Restposten die Zusammensetzung fehlt, ist die Lösung nicht, die Werte einer ähnlich aussehenden Rolle zu übernehmen. Besorge die Information oder kläre die tatsächlich anwendbare Kennzeichnung für das Material.
Wann darf ich 100 Prozent Baumwolle schreiben?
Artikel 7 reserviert Angaben wie 100%, rein oder ganz grundsätzlich für Erzeugnisse aus einer einzigen Faser; die Verordnung enthält engere technische Details dazu. Beabsichtigt zugesetztes Elasthan wird nicht dadurch zu Baumwolle, dass es nur einen kleinen Anteil ausmacht. Prüfe die belegte Zusammensetzung des konkreten Materials, statt eine kurze Werbeaussage zu wählen, die deinen Einkaufsdaten widerspricht.
Denke bei einem fertigen Kleidungsstück über den Hauptstoff hinaus. Ein Bündchen aus einem anderen Material oder ein Innenstoff kann eine eigene Textilkomponente sein. Schreib deshalb zunächst eine Materialliste für deinen Schnitt: Außenstoff, Futter und relevante weitere Komponenten. Erst danach formulierst du das endgültige Etikett. Die Reihenfolge verhindert, dass ein einzelner Stoffzettel versehentlich als Aussage über jede Komponente des Kleidungsstücks verwendet wird.
Auch die Produktseite sollte dieselben Begriffe verwenden. Wenn auf dem Stück eine Mischung steht, online aber reine Baumwolle, bekommt der Käufer zwei verschiedene Materialbeschreibungen. Suche bei einer Änderung nicht nur nach dem Wort Material, sondern auch nach Eigenschaften in Titel und Variantenbeschreibung. Besonders kurze Produktkarten werden sonst leicht übersehen, obwohl Kunden bereits dort eine Auswahl treffen.
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Kostenlos anmeldenMuss ich das Futter meiner selbstgenähten Jacke kennzeichnen?
Artikel 11 verlangt bei Komponenten mit unterschiedlichem Fasergehalt grundsätzlich die Angabe für jede Komponente. Die dortige Ausnahme betrifft Komponenten unter 30% des Gesamtgewichts, die zugleich kein Hauptfutterstoff sind. Beide Bedingungen gehören zusammen. Eine leichte Hauptfütterung ist deshalb nicht allein wegen ihres geringen Gewichts von dieser Komponentenkennzeichnung ausgenommen.
Arbeite bei einer gefütterten Jacke mit eindeutig benannten Feldern wie Oberstoff und Futter. Der Kunde soll verstehen, welcher Anteil zu welcher Fläche gehört. Vermische nicht die Baumwollangabe des Oberstoffs mit der Polyesterangabe des Futters zu einer selbst erfundenen Gesamtmischung. Wenn die Komponenten verschieden sind, macht eine getrennte Beschreibung deine Materialwahl nachvollziehbar und lässt sich bei einem späteren Futterwechsel gezielt ändern.
Für eine kleine Serie kannst du die Materialliste am Schnitt ablegen und pro Produktionslauf die tatsächlich verwendeten Lieferreferenzen ergänzen. Das ist eine vorgeschlagene Werkstattmethode, kein zusätzlich vorgeschriebener Formularsatz. Sie hilft, wenn du denselben Außenstoff behalten kannst, der bisherige Futterstoff aber ausverkauft ist. Freigegebene alte Stücke und neu zu prüfende Stücke sollten dann nicht unter einer unspezifischen Lagerkarte verschwinden.
Braucht ein kleines Lederlabel einen besonderen Hinweis?
Artikel 12 schreibt bei nichttextilen Teilen tierischen Ursprungs einen entsprechenden Hinweis vor. Prüfe beispielsweise einen echten Lederbesatz oder einen Hornknopf. Wollfasern sind dagegen Textilfasern; verwechsle ihre Faserbezeichnung nicht mit der Regel für nichttextile Bestandteile. Der genaue vorgeschriebene Wortlaut gehört in die Kennzeichnung, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, statt einer selbst erfundenen Abkürzung.
Der Hinweis lautet: Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs. Prüfe vor dem Druck, ob dein Detail wirklich aus dem angenommenen Material besteht. Ein Anhänger in Lederoptik kann anders aufgebaut sein als echtes Leder. Verlasse dich auf belastbare Lieferinformationen und erfasse den betreffenden Bestandteil auf deiner Materialliste. Du brauchst eine nachvollziehbare Entscheidung für das vorhandene Produkt, keine Vermutung aufgrund der Oberflächenstruktur.
Bei einem Wechsel zu einem anderen Patch musst du die betroffenen Stücke erkennen können. Lege alte und neue Ausführungen nicht kommentarlos in dieselbe Kiste. Sag einer Person, die deine Bestellungen vorbereitet, welche Kennzeichnung zu welcher Variante gehört. Ein hübscher Logoanhänger ist für die Markenpräsentation nützlich, beantwortet aber nicht automatisch die Frage nach einem tierischen Bestandteil.
Wo müssen die Faserangaben im Onlineshop stehen?
Nach Artikel 16 müssen die Informationen zur Textilfaserzusammensetzung vor dem Kauf deutlich sichtbar sein, auch beim elektronischen Verkauf. Artikel 14 verlangt für die Produktkennzeichnung unter anderem Lesbarkeit und Zugänglichkeit. Ein eingenähter Zettel, den der Käufer erst nach der Lieferung sieht, löst deshalb nicht die Informationsfrage auf deiner Produktseite. Prüfe die Darstellung dort, wo die konkrete Farbe und Größe ausgewählt werden.
Den Schnitt mit Materialien verknüpfen
Liste Hauptstoff, Futter und relevante Details mit den tatsächlichen Lieferreferenzen. Beschaffe fehlende Angaben vor der Veröffentlichung.
Die Komponentenprüfung durchführen
Prüfe Mischungen, Hauptfutter und nichttextile tierische Teile. Halte die Entscheidung für die fertige Ausführung fest.
Produkt und Shop gemeinsam freigeben
Vergleiche das Etikett mit der sichtbaren Onlineangabe. Gehe die Varianten durch, deren Materialien voneinander abweichen.
Nur die passende Variante versenden
Ordne dem Auftrag die richtige Größe, Materialversion und Kennzeichnung zu. Halte geänderte Stücke bis zur Prüfung getrennt.
Mach den letzten Vergleich mit einer echten Bestellung als Probe. Wähle eine Variante im Shop aus, lege das entsprechende Stück daneben und lies beide Materialangaben. Eine allgemeine Seite über deine nachhaltige Arbeitsweise kann diesen Vergleich nicht ersetzen. Wenn du nach einer Stoffänderung mehrere Varianten anpassen musst, arbeite anhand deiner Materialliste; sonst bleibt leicht eine alte Farbe mit der falschen Beschreibung online.
Was kostet der Versand einer kleinen genähten Bestellung?
Der AirPost-Transportpreisindex, abgerufen am 10. Oktober 2026, zeigte für Deutschland → Deutschland bei 2 kg einen Standarddienst ab 4,70 € ohne Plattformkosten. Für eine illustrative Bestellung im passenden kleinen Paketformat kommen 0,85 € Plattformkosten und 2,25 € empfohlene Vorbereitung hinzu. Damit ergibt sich 7,80 € für diese drei Bestandteile. Der tatsächliche Sender legt seine Vergütung selbst fest.
Material für den Versand, das Zuführen der Ware und deine Näharbeit sind darin nicht enthalten. Wiege die geschlossene Sendung und prüfe die Abmessungen, bevor du das Beispiel für deinen Shop übernimmst. Eine leichte Bluse und eine gefütterte Jacke brauchen nicht zwingend dasselbe Paket. Der Index ist eine datierte Preisuntergrenze für die Route, keine Zusage für jedes Schnittmuster oder jeden bestellbaren Dienst.
Beim Auslagern der Vorbereitung über AirPost erhält eine Person in Kundennähe deine Ware, verpackt Aufträge und bringt sie zum Paketshop. Übergib klare Varianten und eine Faltanleitung, damit Größe, Materialversion und Produktetikett zusammenbleiben. Für den Ablauf einer ersten Auslagerung gibt es auch die Anleitung zur ersten Bestellung ohne Lager.
Häufige Fragen
Was muss ich beachten, wenn ich selbstgenähte Kleidung verkaufe?
Prüfe für reguläre Kleidung die tatsächlichen Faserangaben, die Kennzeichnung der Komponenten und die sichtbare Information vor dem Onlinekauf. Handarbeit allein begründet keine allgemeine Ausnahme von der Textilverordnung.
Ist jede Bestellung eine Maßanfertigung?
Nein, das lässt sich nicht allein aus der Herstellung nach Bestellung ableiten. Die Ausnahme betrifft maßgeschneiderte Textilerzeugnisse selbständiger Schneider. Standardgrößen und echte individuelle Maßarbeit sollten getrennt beurteilt werden.
Reicht das Stofflabel des Lieferanten?
Es liefert Ausgangsdaten, beschreibt aber nicht automatisch dein fertiges Stück mit zusätzlichem Futter oder anderen Komponenten. Ordne die Lieferinformation den tatsächlich verwendeten Materialien zu.
Muss eine leichte Hauptfütterung angegeben werden?
Die Ausnahme für Komponenten unter 30 Gewichtsprozent gilt nur, wenn sie zugleich kein Hauptfutterstoff sind. Prüfe deshalb eine Hauptfütterung unabhängig davon, dass sie vergleichsweise wenig wiegt.
Kann ich die Zusammensetzung erst nach dem Versand mitteilen?
Die Informationen müssen beim Onlineverkauf bereits vor dem Kauf deutlich sichtbar sein. Zusätzlich braucht das Produkt seine passende Kennzeichnung; beides sollte zur bestellten Variante passen.
Quellen
Deine Kleinserie ist gekennzeichnet und die Varianten sind klar? Gib die wiederkehrende Paketvorbereitung mit einer Material- und Größenliste ab, damit mehr Zeit an der Nähmaschine bleibt.
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